{"id":833,"date":"2026-05-05T17:40:00","date_gmt":"2026-05-05T15:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pferdekoerperausbildung.de\/?page_id=833"},"modified":"2026-05-14T11:53:43","modified_gmt":"2026-05-14T09:53:43","slug":"spannungsverhaeltnisse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.pferdekoerperausbildung.de\/?page_id=833","title":{"rendered":"Spannungsverh\u00e4ltnisse"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann sich wahrscheinlich nicht ganz genau vorstellen, welche unglaublichen Spannungsverh\u00e4ltnisse in dem armen Pferd vom Titelbild herrschen. Leider haben wir uns an diese Bilder gew\u00f6hnt und nehmen sie viel zu leichtfertig als gegeben hin und entschuldigen sie mit dem Alter, mit zu wenig Muskeln oder benutzen die neuen Begriffe der Trageersch\u00f6pfung und Stoffwechselerkrankungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fatale ist dabei, dass der Mensch dabei oft alles erdenkliche tut, um diese Probleme zu l\u00f6sen. Ich m\u00f6chte Ihnen verdeutlichen, das nichts was Sie mit ihrem Pferd tun die chronische Hochspannung der Sehnen ver\u00e4ndern wird, egal was Sie mit dem Pferd machen &#8211; ob Sie mit ihm im Wald spazieren gehen, ob Sie es \u00fcber Stangen treten lassen, oder es im Kreis gehen soll, nette K\u00f6rperspielchen macht oder noch mehr (Schutz)Muskeln antrainieren oder anf\u00fcttern. Leider kommt das allermeiste als zus\u00e4tzliche Belastung noch \u201eon top\u201c dazu und ist vom Organismus des Pferdes schwer \u2013 und immer schwerer zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ursache liegt an der hohen Grundspannung der Sehnen &#8211; und dieses Problem muss man an der Ursache l\u00f6sen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ursache ist, das das Pferd gelernt hat stereotype Bewegungen auszuf\u00fchren, mit denen es nicht mehr unterschiedliche Bewegungen ansteuern kann und dazu seinen Schwerpunkt verlagern kann. Das Pferd ist gezwungen (von seinem eigenen K\u00f6rper und mechanisch vom Menschen), die immer gleichen Strukturen, immer wieder zu benutzen. Dabei entsteht diese viel hohe Grundspannung des K\u00f6rpers, der die  Gelenksbewegung der K\u00f6rperteile, zuerst belastet und dann \u00fcberbelastet und die Strukturen \u00fcberdehnt und verk\u00fcrzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00f6rperhaltung ist tats\u00e4chlich bei den meisten Pferden \u201eeingefroren\u201c, das hei\u00dft, das Pferd kann seinen Schwerpunkt nicht mehr selbst verlagern und ist immer mehr von der mechanischen Einwirkung des Menschen abh\u00e4ngig. Der K\u00f6rperzustand des Pferdes ist dabei im Ausnahmezustand, nichts funktioniert mehr so wie es soll. Und zus\u00e4tzlich wird dieses Chaos im Pferdek\u00f6rper, durch die vom K\u00f6rper eiligst angeforderten Schutzmuskeln verfestigt. Das Fatale f\u00fcr uns: ist nur ein Muskel oder eine Struktur in Spannung, k\u00f6nnen wir als Mensch nichts mehr &#8222;richtig&#8220; machen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem Pferdemaul das gespannt ist, k\u00f6nnen Sie die Z\u00fcgel loslassen oder anziehen &#8211; die Spannung im Pferdek\u00f6rper bleibt so lange, bis der Pferdek\u00f6rper selbst die Spannung durch seine Eigenbewegungen regulieren kann. Einzelne K\u00f6rperteile therapeutisch zu entspannen, bringt den Pferden deshalb meist gar nichts, denn die K\u00f6rpersysteme sind in ihrem gespannten Zustand aufeinander angewiesen und der Organismus wird umso irritierter. So kann man beobachten, dass die verunsicherten Pferde beginnen zu stolpern \u2013 um dann wieder in den gewohnt gespannten K\u00f6rperzustand zur\u00fcck zu kehren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Therapeutische Ma\u00dfnahmen in Kombination mit der Ver\u00e4nderten Wahrnehmung \u00fcber den K\u00f6rper der Eigenbewegungen sind dagegen ausgesprochen sinnvoll&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich zu mechanisierten Bewegungen, f\u00fcr die das Streben nach Perfektion das Wichtigste ist (was ist ein Motor wert, der nicht perfekt funktioniert) &#8211; ist das Pferd in seinen unterschiedlichen &#8222;Phasen&#8220; nie perfekt und gerade ein zu Beginn des Ausbildungsprozesses sehr gespanntes Pferd, zeigt w\u00e4hrend dem &#8222;Spannungs-L\u00f6sungsprozess&#8220; teilweise sehr abenteuerliche Bewegungen. Es sind viele &#8222;Br\u00fcckenbewegungen&#8220; zu sehen, die ich so genannt habe, weil die gespannten Strukturen nie alle auf einmal l\u00f6sen d\u00fcrfen (das w\u00fcrde das Pferd ganz schnell in das n\u00e4chste Chaos st\u00fcrzen).  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die &#8222;Br\u00fcckenbewegungen&#8220; hangelt sich das Pferd durch seine angespannten Strukturen. Aber da wir mit der Bewegungsf\u00e4higkeit der Wirbelkette auch das Nervensystem aktivieren, k\u00f6nnen wir das Pferd getrost, der Organisation der K\u00f6rpersysteme anvertrauen. Der Organismus des Pferdes muss sich ja nicht nur mit der Spannung der \u00e4u\u00dferen Strukturen und Muskeln besch\u00e4ftigen, sondern auch mit denen der Organe und der Versorgungssysteme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen also beachten, dass ein motorischer Entwicklungsprozess &#8211; ganz anders als bei der mechanischen Ausbildung immer ein Prozess ist. Ja sogar sein muss.Ein Prozess bedeutet &#8222;im Prozess&#8220; &#8211; also &#8222;in work&#8220; &#8211; viele Erfahrungen kommen dazu, werden aufgebaut, oder auf dem Bestehenden weiterentwickelt, w\u00e4hrend andere &#8211; die &#8222;Br\u00fcckenbewegungen&#8220; losgelassen werden, und anderen Bewegungen Platz machen. In diesem Entwicklungsprozess sehe ich die Schwierigkeiten f\u00fcr den Menschen, der gelernt hat, Ergebnisse sehen zu wollen. Eine eindeutige Reaktion f\u00fcr die Richtigkeit der menschlichen Handlung. Das kann der &#8222;Prozess&#8220; nicht liefern &#8211; daf\u00fcr die Freude an den Details die dazu kommen &#8211; und die Reflektion in der R\u00fcckschau: &#8222;wei\u00dft du noch, wie schlimm das noch vor 6 Monaten war&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Prozess ist der Mut zur Unvollst\u00e4ndigkeit <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Suche nach Perfektion w\u00fcrde schnell Stillstand in der naturgem\u00e4\u00dfen Entwicklung und Blindheit f\u00fcr die so wichtigen Grundlagen bedeuten. W\u00e4hrend Stillstand den kleinen Tod f\u00fcr einen lebendigen Organismus bedeutet, macht die Darstellung von Perfektion blind f\u00fcr Grundlagen und produziert falsche Bilder, genau so wie es uns im Moment in allen Bereichen begegnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Natur hat andere Ziele, wie die Reiterei &#8211; aber beides muss sich entwickeln k\u00f6nnen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der &#8222;belastbaren&#8220; Motorik seines K\u00f6rpers entdeckt das seine F\u00e4higkeiten und Potenziale &#8211; sorgf\u00e4ltig aufgebaut auf allem, was ein Pferd zum Pferd macht &#8211; damit das Pferd gemeinsam mit seinem Reiter an den motorischen Bewegungen (zusammen) wachsen kann, und zusammen zu noch mehr Ausdruck, noch mehr Tiefe und noch mehr Gang kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#8222;Was kann man tun, damit das Pferd nicht mit Druck, Spannung, \u00dcberbelastung, Stress \u2013 und irgendwann mit seiner Komplett-Ersch\u00f6pfung weiterleben muss?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir k\u00f6nnen das simulieren, was jedes Pferd machen&nbsp;<em>w\u00fcrde<\/em>, wenn es das&nbsp;<em>k\u00f6nnte<\/em>. Das Pferd w\u00fcrde, um anzugehen, seinen Kopf anheben. Vielleicht nur eine Winzigkeit, dass ist von vielen verschiedenen Faktoren abh\u00e4ngig. Aber das Pferd w\u00fcrde seinen Kopf beim Angehen immer anheben, ganz einfach weil sein K\u00f6rper und seine Funktionen so konstruiert sind. Wenn das Pferd das nicht mehr tut, dann hat das Gr\u00fcnde. Beweggr\u00fcnde &#8211; oder besser gesagt Unbeweg-Gr\u00fcnde. Das aufrichtende Halsgeflecht fehlt, die Spannungen im Maul verhindern den Zungen-, Kiefer-, Genick-, und Atemmechanismus und der Unterhals hat eine nach unten ziehende Kraft entwickelt, gegen die die kleinen Nackenstrukturen nicht ankommen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau dieses Angehen, simulieren wir im ersten Schritt in der ersten Phase (nachdem wir den Pferdekopf von jeder Mechanik befreit haben): wir laden das Pferd mit unserer Hand nach oben ein. Sie haben ja den Strick der Gebissbr\u00fccke in ihrer Hand, (nicht das Gebiss selbst, denn das \u201egeh\u00f6rt\u201c dem Pferd zur freien Verf\u00fcgung \u2013 besser gesagt, zur freien Kiefer- und Zungenbewegung) und nehmen einfach ihre Hand h\u00f6her wie vorher. Das ist alles. Je selbstverst\u00e4ndlicher Sie das machen, desto selbstverst\u00e4ndlicher wird ihnen der Pferdekopf nach oben folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber eigentlich ist es nicht der Pferdekopf der Ihnen folgt, sondern der Hals richtet sich ein bisschen, eine Winzigkeit auf\u2013 eben so wie er es in dem eingebunden Zustand, mit dickem, fetten Unterhals und dem festgehaltenen \u00dcbergang zum schweren Pferdekopf eben kann. Aber er tut es. Und mit jedem Schritt tut er es mehr. Warum? Weil der Weg nach oben in die entspannte und sp\u00e4ter ausbalancierte Aufrichtung mit jedem Impuls von ihnen nach oben freier wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles weitere dann in der &#8222;ersten Phase&#8220; der &#8222;Pferdek\u00f6rperausbildung&#8220;, bei der sich alles um die Bewegungsf\u00e4higkeit der Wirbelkette dreht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann sich wahrscheinlich nicht ganz genau vorstellen, welche unglaublichen Spannungsverh\u00e4ltnisse in dem armen Pferd vom Titelbild herrschen. 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