Die meisten Ausbildungen und Reitthesen beschreiben, wie das Pferd dazu gebracht wird, möglichst viel vom Menschen oder Reiter zu lernen. Dabei werden die Pferdebewegungen von vorneherein schon als Problem angesehen, denen man was beibringen oder antrainieren muss (sonst müsste das Pferd ja nicht so viel vom Menschen lernen) aber nicht als überaus wertvolle Ressource, die man vermehren möchte. Wie alles was man besser machen kann oder grundsätzlich falsch gemacht wird, hat auch dieses Fehlverhalten des Menschen eine – im wahrsten Sinne des Wortes – handfeste Begründung…
Und das ist das reflexhafte Bewegungsverhalten des Pferdes, das als Schutz-, und Fluchtreflex, sogenannte Schreck- und Notfallreaktionen des Pferdes auslöst. Ganz ehrlich, mit diesen überhaupt nicht einschätzbaren Körperreaktionen des Pferdes kann keiner „richtig“ umgehen. Denn äußerst problematisch wird das Ganze, wenn diese Notfallreaktionen dann anspringen, wenn gar keine Lebensgefahr für das Pferd besteht, und weil vielleicht „nur“ ein imaginäres Gespenst in der Reithallenecke auf den Zugriff lauert.
Um so ein „kopfloses“ Pferd in den Griff zu bekommen, wurden die verschiedensten „mechanischen Hilfen“ entwickelt, die das Pferd entweder so zusammenschnüren sollen, dass es keine reflexhaften Mucks mehr von sich geben kann – der dem Menschen gefährlich werden könnte. Oder es werden von den „mechanischen Hilfen“ sogenannte „Druckpunkte“ gedrückt, die die Wahrnehmung des Pferdes (auch über Schmerz) so beschäftigen, dass es seine Umgebung nicht mehr wahrnimmt (die dem Menschen dann nicht mehr gefährlich werden kann).
Über diese „Maßnahmen“, die in erster Linie am Pferdekopf getätigt werden, möchte ich in der Sparte „Phase 0“ mit Ihnen sprechen. Aber auch beschreiben, wie und warum Sie die „mechanischen Hilfen“ weglassen können, ohne durch das „kopflose“ Pferd in Gefahr zu kommen.
Es gibt aber noch eine oft angewendete These des Menschen, um das Pferd unter Kontrolle zu bekommen. Mit der Konditionierung der Pferdebewegungen – immer in Kombination mit „mechanischen Hilfen“ glaubt der Mensch das „reflexhafte Verhalten“ des Pferdes durch konditionierte Gewohnheiten auslöschen zu können. Dass der Mensch da sowas von komplett falsch liegt zeigen die Reaktionen des Pferdes, gegen die der Mensch dann noch mehr aufrüsten muss. Aber das ist dann das Thema der „Phase 1“.
Aber zunächst müssen Sie in der „Phase 0“ die körperlichen Ressourcen des Pferdes erst wieder zugänglich machen. Die angeborenen Bewegungsmöglichkeiten werden dann wieder verfügbar, wenn das Pferd wieder etwas wahrnehmen kann. Pferde probieren dann praktisch alles an Bewegungen aus, was Ihnen in den Sinn kommt – der Bewegungsreichtum entfaltet sich praktisch von ganz allein, wenn wir diesen Prozess nicht verhindern.
Das tun wir aber durch „mechanische Hilfen“ häufiger, als uns lieb sein kann. Da steht dann so ein bedauernswertes Pferd da und möchte sich bewegen und traut sich aber nicht, weil es seine Umwelt nicht richtig wahrnehmen kann und immer unsicherer wird, je vorhandlastiger sein Körper durch diese „Hilfen“ wird. Als Mensch würden wir sagen: uns ist der Spaß vergangen. Das Problem: ein Pferd dass an seinen eigenen Bewegungen keine Freude mehr hat, kann sich nicht zum „Reitpferd“ entwickeln. Es wird immer in seiner freudlosen Vorhandlastigkeit stecken bleiben. Und wenn geritten – vom Menschen in die Überlastung, in Spannungen und Stress geritten werden.
Warum wir aufhören sollten, uns in die Wahrnehmung des Pferdes einzumischen
Das hat neuronale und körperliche Gründe. Werden die Bewegungszentren im Gehirn nicht aktiviert, haben die Bewegungen im Körper keine Chance, sich im Körper zu verankern. Und damit findet keine Entwicklung im Organismus des Pferdes statt. Infolgedessen werden die wertvollen Ressourcen des Pferdes abgenutzt und aufgebraucht. Weil aber keine Entwicklung mehr stattfindet. muss der Mensch mit seinem Pferd monotone Bewegungsabläufe trainieren, damit sie das Pferd nicht „vergisst“. Das ist die Erklärung dafür. Und auch die leicht verständliche Erklärung, warum die „biomotorischen Übungen“ mit dem einfachen, spielerischen Auslösen von Impulsen, so große und schnelle Fortschritte beim Pferd machen kann.
Fazit: die richtige „Methode“, damit das Pferd „lernt“ gibt es nicht, alles hängt davon ab ob die Bewegungszentren im Gehirn des Pferdes aktiviert werden oder nicht.
