Das schwierige Angehen und Anhalten des Pferdes!
Bei was entstehen die meisten Schwierigkeiten? richtig, wenn das Pferd angeht, und wenn es wieder anhält. Aber nicht nur Sie spüren alle körperlichen Schwierigkeiten in ihrer Hand, sondern auch das Pferd verunsichern seine Spannungen, Festigkeiten – und, wie könnte es anders sein, die Vorhandlastigkeit seines Körpers.
Das „büffeln“, wegrennen, Kopf hochreißen, nicht angehen wollen – alles hat seinen Grund im Pferdekörper
Und da muss er auch gelöst werden. Sie suchen also nach Impulsen, um das unsynchrone Miteinander zu verändern, und dabei gleichzeitig das Pferd von innen heraus stärken und das harmonische Gleichgewicht der gestörten Funktionen: von Atmung, Kreislauf, Nervensystem und dem Hormonhaushalt wieder herzustellen? Et voila. Mit den „biomotorischen Übungen“ können sich die wiederhergestellten Funktionen positiv und regenerativ auf andere Funktionen auswirken und eine ungeheure Bewegungsenergie freisetzen, die den Pferdekörper wachsen lässt?
Und mit denen ihre Hand eine Verbindung zur Wirbelkette des Pferdes aufbauen kann
Der Fokus der ersten Phase liegt auf der Wirbelkette des Pferdes: Mit den biomotorischen Übungen der ersten Phase, beginnen Sie, sich aufmerksam, bewusst und rücksichtvoll mit der Wirbelkette des Pferdes zu beschäftigen und einen Bewegungsprozess ihres Pferdes – ausgehend von der Bewegungsfähigkeit der einzelnen Wirbel zu starten. Ohne bewegungsfähige Wirbelkette wird ihr Pferd unweigerlich weiterhin in seinen drei Körpersystemen von den verschiedensten gestörten Funktionen malträtiert werden, die in Stress, Erschöpfung und Überbelastung übergehen. Wir sehen das, weil sich die Lungen des Pferdes durch die bestehende Vorhandlastigkeit nicht entfalten können, das Pferd nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und es zu Organstörungen, Verspannungen an Genick und Schultern kommt – und die Pferdebeine schwer und schlecht durchblutet sind.
Der gefühlt allerwichtigste Schritt sind die Basisübungen der „biomotorischen Übungen“, mit denen sich das Pferd von seinen einschränkenden Bewegungsgewohnheiten verabschieden kann, aus denen es selbst (weil gewohnt) nicht herausgekommen kann (und sich dann durch Schutzmuskeln weiter verfestigen) Wenn Sie ihrem Pferd also die entsprechenden Impulse entspannen Sie seine Sehnen und nehmen dem Pferdekörper die Anspannung. Das ist der erste – und ganz wichtige Schritt im Bewegungsprozess.
Ab der zweiten Phase, bei der es um die neue Koordinierung der „Körperteile“ geht, werden dann die Muskeln wieder bewegungsfähig und die Gelenke geschmeidig. Aber jetzt, in der ersten Phase geht es erstmal um die Erweiterung der Sauerstoffaufnahme, mit der sie Durchblutung, Durchlässigkeit und Blutzirkulation ihres Pferdes fördern.
Haben Sie sich beim Lesen der „Pferdekörperausbildung“ vielleicht schon gewundert, dass Sie – auch wenn sich der Pferdekörper schon weiterentwickelt hat und sie beide über die neuen Bewegungsmöglichkeiten (mit Wirbelkette) begeistert sind, trotzdem immer wieder (mit verändertem Körper) zu den ersten Schritten der ersten Phase zurückkehren? Dass ist der Grund! Das Pferd braucht zu seinem Entwicklungsprozess immer auch die parallele Erweiterung der Sauerstoffaufnahme, es braucht eine verstärkte Durchblutung der Gewebe und eine gut regulierte, noch größere Durchlässigkeit für Körperinformationen und Blutzirkulation.
Aber erstmal geht es um die einzelnen Wirbel der Wirbelkette
Es lässt sich ganz einfach feststellen, ob ihr Pferd verspannt, verkrampft und steif ist, nicht richtig atmen und von einem gestörten Herz-Kreislauf oder Stoffwechselerkrankungen bedroht sind. Schauen Sie es an! Wenn ihr Pferd vorhandlastig ist, kann sein Bewegungsapparat die verstärkten Anforderungen des Organismus, die es braucht nicht umsetzen. Das Pferd wird chronisch unterversorgt. Und zwar an allem! Außer vielleicht an oft viel zu hochwertigen Futtermitteln, die die Unterversorgung ausgleichen sollen – aber garnicht vom Pferdekörper verwertet werden können – weil die Grundversorgung fehlt – und sich deshalb als „Schlacke“ im Organismus ablagern.
Und um das Maß vollzumachen, müssen wir leider zugeben, dass wir dem Pferd zu viel Druck durch zu viel mechanische Teile machen, was im Pferdekörper nicht nur körperlichen Stress, sondern psychischen Widerstand gegen den Menschen erzeugt. Es bleibt also nur eine rhetorische Frage, wie die „Beinfreiheit“ des Pferdes entstehen soll, die Hufe gesund und ohne Abrieb sein sollen…
Der Beginn der „Pferdekörperausbildung“ ist der Abbau der Spannung in den Sehnen
Also machen wir in der ersten Phase, sogar in der allerersten Übung der „biomotorischen Übungen“ dem Nervensystem des Pferdes eine Freude und bauen seine Hochspannung ab. Durch seine im Körper angelegten, unbewussten Bewegungsreflexe geht das. Jedes Pferd, wirklich jedes Pferd (außer es wird von uns daran gehindert) wird, wenn es sich bewegen will, den Kopf hochnehmen. Das muss so sein und hängt unter vielem anderen mit dem Gleichgewicht zusammen und der Verfügbarkeit des Beckens – also von wichtigsten Voraussetzungen zur Bewegungen ab.
Das Nervensystem von einem Pferd das den Kopf nicht heben kann oder darf, ist das Stress und Erschöpfungsbarometer, an dem wir genau erkennen können, wenn das Pferd nicht aufnahmefähig ist, sondern körperlich „zu“ ist, wenn dann „neue“ zusätzliche Bewegungen, (die sonst jedes „funktionierende“ Pferd begierig aufnimmt) unsicher machen und „zu Kopf steigen“ und damit auch ein Reiten nichts bringt, außer einer weiteren Überbelastung der Muskeln.
Das „Becken öffnen“
Ich werde Ihnen die Vorgänge der „biomotorischen Übungen“ und Wirkungen der ersten Phase im Detail beschreiben, und wie sie Durchblutung und Durchlässigkeit von Sehnen, Muskeln und Gelenken fördern, weil Sie wieder die Bewegungsfähigkeit der Wirbelkette erzeugen und das Pferd die Informationen der Wirbel (des Nervensystems) immer mehr zu seinen Bewegungen durchlassen und dazunehmen kann. Je mehr Durchlässigkeit, desto mehr werden die Stauungsfaktoren reduziert – und zwar mit jedem „biomotorischen“ Schritt, den Sie zusammen mit Ihrem Pferd machen…
Denken Sie daran: die Position der Wirbelkette ist wichtiger wie die Bewegungen des Pferdes, von denen Sie ja wissen, dass sie einseitig, schief, nicht bewegungsfähig und nicht über den Rücken gehen. Also brauchen Sie sich auch nicht mit der „richtigen“ Ausführung der Bewegungen beschäftigen, sondern sich lieber auf ihre „Handlings“ konzentrieren, mit dem Sie ihrem Pferd Orientierung und Sicherheit für die Phase geben, in der es sich von seinen alten, einschränkenden Bewegungsgewohnheiten verabschiedet.
Sie können sich – so oft es geht – bewusst machen, dass sie die Wirbelkette ihres Pferdes in den Händen halten und die Aktion der Wirbel von ihren Händen abhängig sind. Wenn ihre Hände bzw. zurückgehen, stauchen sie die Wirbel und machen den Pferdekörper „zu“, wenn der Pferdekopf nach vorne unten geht, ist der Pferdekörper auch „zu“. Die natürliche Anordnung der Wirbel hat drei Krümmungen, der vordere „Ast“ der Wirbelkette ist durch die Halswirbel nach oben aufgerichtet, der Rumpf muss in jedem seiner Wirbel bewegungsfähig sein, und sich über der Lende zur dritten Krümmung hin aufwölben, damit die Gelenke der Hinterbeine genug Platz zur freien Bewegung haben.
Wenn Ihren Händen Untätigkeit anerzogen haben, den Kopf des Pferdes mit ihren Händen (mit Hilfe von mechanischen Teilen) fixieren oder noch im unbewussten reflexhaften „Ziehen“ stecken, verlagert sich die Halsbasis des Pferdes nach vorne, sie „rutscht“ nach unten, und das Pferd muss mit seinem schweren Kopf ausgleichen und den Kopf nach vorne strecken (statt ihn AUF den Genickwirbeln zu tragen). Der Druck der den Genickwirbeln dabei entsteht, lässt Schutzmuskeln im Nacken entstehen die bis zur Inaktivität des Genicks anwachsen.
Da ist was dran…
Alte Reitmeister haben mir gesagt, dass man ein in seinem Körper unausgebildetes Pferd daran erkennt, dass seine Nacken breit, der Kopf schief getragen wird und der Halsansatz dafür schmal, dünn mit Schutzmuskeln übersät und deshalb nicht tragfähig ist. Das ausgebildete Pferd kann seinen Kopf auf dem Hals balancierend tragen und hat ein schmales Genick, einen nach vorn ausgerichteten Kopf und durch das voll entwickelte und entfaltete Halsgeflecht, eine breite Halsbasis. Dieses angelegte Halsgeflecht, dass sich während der Körperausbildung auffächert und sich mit dem Rumpf verbindet (das ist der echte aufgewölbte Rücken – nicht der Rücken, der sich nach oben drückt, weil der Kopf und Hals nicht mehr hochkommt) ist übrigens das, was uns am Pferd so fasziniert.
