Der wichtigste Aspekt ist, dass das Pferd selbst spürt und herausfindet, welche Bewegung ihm guttut. Das wird natürlich in den aufeinander aufbauenden Phasen, unterschiedlich sein (je mehr Variationen das Pferd sammeln kann). Eigentlich stellt das Pferd selbst sein eigenes Ausbildungs- und Entwicklungsprogramm aus seinen Bewegungsmöglichkeiten zusammen, wir dagegen geben dem Pferd „nur“ die Anregungen, die Vorschläge und Ideen für andere Bewegungen (die das Pferd ja gar nicht kennen kann), und zeigen ihm viele Variationen der bereits möglichen Bewegungen (z.B. das Verlängern und Verkürzen des Rippenkorbes wenn die Bewegungsfähigkeit der Wirbelkette dazu gekommen ist) aus denen das Pferd dann seine Fähigkeiten entwickeln kann.
„Das Pferd „versteht“ immer besser, was ich meine“
Diesen Ausdruck höre ich sehr oft. Leider schlägt bei den meisten Menschen an diesem Punkt wieder einmal die Gewohnheit zu. Der Mensch ist es gewohnt, und hat es ja auch in manchmal vielen Jahren gelernt, dass WIR dem Pferd eine Anweisung geben und das Pferd sie möglichst brav und gehorsam zu erfüllen hat. „Aktion“ – „Reaktion“ eben…
Lassen Sie ihr Pferd seine eigenen Bewegungen suchen…
…machen Sie ihm einfach viele verschiedene „Vorschläge“ und warten ab, was es davon annimmt oder annehmen kann. Es gilt dabei ein Satz: „das Pferd zeigt immer das, was es kann – das, was es nicht zeigt, kann es noch nicht, und muss es erst im Körper entwickeln). „Biomotorische Übungen“ sind lange Zeit Probierbewegungen. Und darum ist bei der „Bewegungssuche“ – bei der Entwicklung in der „Phase 1“ auch alles richtig was das Pferd macht – ganz einfach, weil es nicht falsch ist. Bei Ihnen sieht das hingegen ein bisschen anders aus.
Eine „Befehlserfüllung“ setzt andere Vorgänge im Gehirn des Pferdes frei, die wir zu den Eigenbewegungen des Pferdes (Biomotorik) nicht gebrauchen können. Dabei verlernt der Organismus des Pferdes nach anderen, nach besseren Möglichkeiten zu suchen, schlechtere mit besseren Bewegungen zu ersetzen (was die Grundlage jeder Bewegungsentwicklung und eigentlich auch jeden anderen Lernens sein sollte).
Gleichbleibende stereotype Bewegungen durch die „Befehlserfüllung“
Das Pferd „gewöhnt“ sich an die „Befehle“ – das also jemand anders für seinen Körper „denkt“ – und erwartet schon nach kurzer Zeit die „Befehle“, die aus Zwang und Druck bestehen können, oder gut getarnt als „Spiel“ daherkommen – aber einer freien Bewegungsentfaltung komplett entgegenlaufen
Der Mensch beginnt zu „loben“
Weil das Bewegungsspektrum des Pferdes, fast unbemerkt, schrumpft und immer kleiner wird, beginnt der Mensch die Bewegungen, die sich sehr ähneln (weil die Vielfalt unterbunden wird) zu bewerten. Diese Bewertung tun wir manchmal kund, wenn wir die „besseren“ (der ähnlichen Bewegungen) zu „loben“ beginnen.
Auch da wird der Unterschied in der „Pferdekörperausbildung“ deutlich, denn den bunten Mix an Bewegungsmöglichkeiten, die sich das Pferd nach einiger Zeit traut, in den „biomotorischen Übungen“ zu zeigen, kann man nicht bewerten – man kann sich aber stattdessen mit dem Pferd zusammen freuen, wenn sich etwas so richtig gut anfühlt…Und sie können sich gemeinsam mit ihrem Pferd an fast allem freuen. Und wenn es nur ist, das es an dem Tag seine Ohren so besonders schön stellt.
